Die private Krankenversicherung wirft viele Fragen auf. Wer kann sich privat versichern? Was kostet die PKV? Wie funktioniert der Wechsel? Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen rund um die PKV – verständlich erklärt und auf dem aktuellen Stand für 2026.
Grundlegende Fragen zur PKV
Was ist der Unterschied zwischen PKV und GKV?
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) funktioniert nach dem Solidarprinzip: Alle zahlen einen einkommensabhängigen Beitrag und erhalten die gleichen gesetzlich festgelegten Leistungen. Die private Krankenversicherung (PKV) basiert auf dem Äquivalenzprinzip: Der Beitrag richtet sich nach dem individuellen Risiko (Alter, Gesundheit) und dem gewählten Leistungsumfang. Die PKV bietet in der Regel umfangreichere Leistungen, ist aber nicht für jeden zugänglich.
Wer kann sich privat versichern?
In die PKV können Angestellte wechseln, deren Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegt (2026: 73.800 Euro brutto jährlich). Selbstständige und Freiberufler können sich unabhängig vom Einkommen privat versichern. Beamte sind wegen der Beihilfe prädestiniert für die PKV. Studenten haben zu Studienbeginn ein einmaliges Wahlrecht zwischen GKV und PKV.
Was sind Altersrückstellungen?
Altersrückstellungen sind Kapitalreserven, die von PKV-Versicherern gebildet werden, um die steigenden Gesundheitskosten im Alter aufzufangen. Ein Teil jedes Beitrags wird angespart und verzinst. Im Alter werden diese Rückstellungen aufgelöst, um Beitragssteigerungen zu dämpfen. Bei einem Wechsel zu einem anderen Versicherer können die Rückstellungen nur teilweise mitgenommen werden.
Fragen zu Kosten und Beiträgen
Was kostet die PKV im Monat?
Die PKV-Kosten sind individuell und hängen von Alter, Gesundheitszustand und Tarifwahl ab. Als Richtwerte: Ein 30-jähriger gesunder Angestellter zahlt für einen guten Tarif etwa 400 bis 550 Euro monatlich. Ein 45-jähriger Selbstständiger muss mit 600 bis 800 Euro rechnen. Beamte mit Beihilfe zahlen deutlich weniger, da sie nur den nicht von der Beihilfe gedeckten Anteil versichern müssen.
Zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss zur PKV?
Ja, Arbeitgeber zahlen einen Zuschuss zur PKV wie zur GKV. Der Zuschuss beträgt die Hälfte des Beitrags, maximal jedoch den Betrag, den der Arbeitgeber auch zur GKV zahlen würde. 2026 liegt der maximale Arbeitgeberzuschuss bei etwa 420 Euro monatlich. Selbstständige erhalten keinen Zuschuss und tragen die vollen Kosten selbst.
Warum steigen die PKV-Beiträge?
PKV-Beiträge steigen aus mehreren Gründen: Steigende Gesundheitskosten durch medizinischen Fortschritt, neue Medikamente und Behandlungsmethoden. Die demografische Entwicklung führt dazu, dass die Versichertengemeinschaft älter wird. Niedrige Zinsen reduzieren die Erträge der Altersrückstellungen. Der Versicherer darf die Beiträge nur anpassen, wenn die tatsächlichen Kosten deutlich von der Kalkulation abweichen.
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Bei einer Beitragserhöhung haben Sie ein Sonderkündigungsrecht und das Recht auf Information über günstigere Tarife. Nutzen Sie diese Rechte und prüfen Sie einen internen Tarifwechsel!
Fragen zum Wechsel
Kann ich von der GKV in die PKV wechseln?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Angestellte müssen über der Versicherungspflichtgrenze verdienen (2026: 73.800 Euro brutto). Selbstständige können jederzeit wechseln. Der Wechsel erfordert eine Gesundheitsprüfung, bei der Vorerkrankungen zu Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen führen können. Der Wechsel sollte gut überlegt sein, da eine Rückkehr in die GKV schwierig ist.
Kann ich von der PKV zurück in die GKV?
Die Rückkehr ist eingeschränkt möglich. Angestellte können zurück, wenn ihr Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt. Selbstständige müssen eine versicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen. Ab 55 Jahren ist die Rückkehr praktisch ausgeschlossen, selbst wenn das Einkommen sinkt. Die angesparten Altersrückstellungen gehen bei einem Wechsel in die GKV verloren.
Was ist ein interner Tarifwechsel?
Ein interner Tarifwechsel bedeutet den Wechsel in einen anderen Tarif beim gleichen Versicherer. Dies ist nach § 204 VVG ein gesetzliches Recht. Die Vorteile: Die Altersrückstellungen bleiben vollständig erhalten, und für gleichwertige Leistungen ist keine neue Gesundheitsprüfung erforderlich. Oft lassen sich so erhebliche Beiträge sparen.
Fragen zu Leistungen
Welche Leistungen bietet die PKV?
Die Leistungen hängen vom gewählten Tarif ab, übersteigen aber meist die GKV. Typische PKV-Leistungen sind: Freie Arztwahl ohne Überweisung, Chefarztbehandlung und Einbettzimmer im Krankenhaus, umfassender Zahnschutz mit hohen Erstattungen für Zahnersatz und Implantate, Heilpraktikerbehandlungen, kurze Wartezeiten und weltweiter Versicherungsschutz.
Zahlt die PKV auch Vorsorgeuntersuchungen?
Ja, die meisten PKV-Tarife erstatten Vorsorgeuntersuchungen umfassend. Dazu gehören je nach Tarif: Gesundheits-Check-ups, Krebsvorsorge, Hautkrebsscreening, Augeninnendruckmessung und weitere präventive Maßnahmen. Die PKV ist hier oft großzügiger als die GKV, die Vorsorge nur in bestimmten Intervallen und Altersgruppen übernimmt.
Sind Kinder in der PKV mitversichert?
Nein, anders als in der GKV gibt es keine kostenlose Familienversicherung. Jedes Familienmitglied braucht einen eigenen Vertrag. Kinder von PKV-Versicherten müssen mit eigenen Kindertarifen versichert werden, die etwa 100 bis 180 Euro monatlich kosten. Bei Beamten sind Kinder durch die hohe Beihilfe (80%) deutlich günstiger zu versichern.
Fragen für bestimmte Zielgruppen
Lohnt sich die PKV für Beamte?
Ja, für Beamte ist die PKV fast immer die beste Wahl. Der Dienstherr übernimmt über die Beihilfe 50% bis 80% der Krankheitskosten. Die PKV muss nur den Rest absichern, was die Beiträge deutlich senkt. Ein Beamter mit 50% Beihilfe zahlt nur etwa halb so viel wie ein Angestellter. Die GKV lohnt sich für Beamte in der Regel nicht, da dort kein Zuschuss gezahlt wird.
Lohnt sich die PKV für Selbstständige?
Das hängt von der individuellen Situation ab. Vorteile: Bessere Leistungen, keine Einkommensgrenze. Nachteile: Kein Arbeitgeberzuschuss, bei Familie keine kostenlose Mitversicherung. Die PKV lohnt sich tendenziell für junge, gesunde Selbstständige mit stabilem Einkommen und ohne Familienplanung. Bei unsicherem Einkommen oder Familienplanung ist die GKV oft die bessere Wahl.
Lohnt sich die PKV für Familien?
Für die meisten Familien ist die GKV günstiger, da Ehepartner und Kinder kostenlos familienversichert werden können. In der PKV muss jedes Familienmitglied einzeln versichert werden. Eine vierköpfige Familie zahlt in der PKV schnell 1.200 Euro oder mehr monatlich. Ausnahme: Beamtenfamilien profitieren von der Beihilfe auch für Familienangehörige.
Noch Fragen?
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Was passiert bei Arbeitslosigkeit?
Bei Arbeitslosigkeit hängt die Krankenversicherung vom Bezug von Arbeitslosengeld ab. ALG-I-Empfänger werden automatisch in der GKV pflichtversichert. Die Rückkehr aus der PKV ist dann möglich. Wer kein ALG-I erhält, muss sich selbst versichern – entweder in der PKV weiter oder freiwillig in der GKV.
Kann die PKV mich ablehnen?
Ja, für reguläre Tarife kann die PKV Anträge ablehnen, wenn die Gesundheitsprüfung schwere Vorerkrankungen ergibt. Allerdings muss jeder Versicherer den Basistarif ohne Gesundheitsprüfung anbieten. Der Basistarif bietet GKV-ähnliche Leistungen und darf nicht teurer sein als der GKV-Höchstbeitrag.
Wie lange dauert die Gesundheitsprüfung?
Die Gesundheitsprüfung ist Teil des Antragsverfahrens und dauert in der Regel einige Tage bis wenige Wochen. Der Antragsteller füllt einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand aus. Bei Unklarheiten kann der Versicherer Nachfragen stellen oder ärztliche Unterlagen anfordern. Bei unkomplizierten Fällen erfolgt die Annahme oft innerhalb einer Woche.