Selbstständige und Freiberufler haben bei der Krankenversicherung die freie Wahl zwischen GKV und PKV – unabhängig von ihrem Einkommen. Diese Wahlfreiheit bietet Chancen, birgt aber auch Risiken. Dieser Ratgeber erklärt, wann sich die PKV für Selbstständige lohnt, welche Besonderheiten zu beachten sind und wie Sie den besten Tarif finden.
Wahlfreiheit für Selbstständige
Anders als Angestellte, die erst ab einem bestimmten Einkommen in die PKV wechseln dürfen, haben Selbstständige und Freiberufler von Beginn an die freie Wahl. Wer eine selbstständige Tätigkeit aufnimmt, kann sich zwischen der freiwilligen Versicherung in der GKV und der privaten Krankenversicherung entscheiden. Diese Entscheidung sollte gut überlegt sein, da sie langfristige Konsequenzen hat.
Die Wahlfreiheit gilt unabhängig vom Einkommen. Auch Selbstständige mit geringem Verdienst können eine PKV abschließen. Allerdings sollten sie bedenken, dass die PKV-Beiträge nicht einkommensabhängig sind. Bei schwankendem oder niedrigem Einkommen kann die GKV mit ihrem Mindestbeitrag die bessere Wahl sein.
Bei der Gründung haben Selbstständige eine Frist von drei Monaten, um sich für die PKV zu entscheiden. Wer diese Frist verstreichen lässt, bleibt zunächst in der GKV versichert, kann aber jederzeit später wechseln. Umgekehrt ist der Wechsel von der PKV zurück in die GKV für Selbstständige nur unter erschwerten Bedingungen möglich.
Kein Arbeitgeberzuschuss – was bedeutet das?
Der wichtigste Unterschied zu Angestellten ist das Fehlen eines Arbeitgeberzuschusses. Während Arbeitgeber bei Angestellten etwa die Hälfte der Krankenversicherungsbeiträge übernehmen, müssen Selbstständige die gesamten Kosten allein tragen. Dies macht die Krankenversicherung zu einem der größten Kostenfaktoren für Selbstständige.
In der GKV zahlen Selbstständige den vollen Beitragssatz von etwa 16% auf ihr Einkommen, mindestens aber auf eine fiktive Mindestbemessungsgrundlage. Der Mindestbeitrag liegt 2026 bei etwa 220 Euro monatlich für den ermäßigten Satz ohne Krankengeld. Wer Krankengeld möchte, zahlt den allgemeinen Beitragssatz und damit mindestens etwa 230 Euro.
In der PKV sind die Beiträge unabhängig vom Einkommen. Ein junger, gesunder Selbstständiger kann mit Beiträgen ab etwa 350 Euro für einen guten Tarif rechnen. Je nach Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Leistungsumfang können die Beiträge aber auch deutlich höher liegen. Der fehlende Arbeitgeberzuschuss macht sich hier besonders bemerkbar.
Wann lohnt sich die PKV für Selbstständige?
Die PKV kann sich für Selbstständige in verschiedenen Situationen lohnen. Junge, gesunde Selbstständige mit stabilem Einkommen profitieren von günstigen Einstiegsbeiträgen und besseren Leistungen als in der GKV. Je früher der Einstieg, desto niedriger die Beiträge über die gesamte Laufzeit.
Gutverdiener sparen in der PKV oft Geld gegenüber der GKV. In der GKV steigt der Beitrag mit dem Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Ein Selbstständiger mit hohem Einkommen zahlt schnell den Höchstbeitrag von über 900 Euro monatlich. In der PKV können die Beiträge für vergleichbare oder bessere Leistungen niedriger sein.
Singles ohne Kinder haben in der PKV keinen Nachteil durch die fehlende Familienversicherung. Sie können die besseren Leistungen der PKV nutzen, ohne für Familienmitglieder zusätzliche Beiträge zahlen zu müssen. Sobald Kinder geplant sind, ändert sich diese Rechnung allerdings.
Selbstständige mit besonderen Ansprüchen an die medizinische Versorgung finden in der PKV oft bessere Tarife. Wer Wert auf alternative Heilmethoden, umfassenden Zahnschutz oder kurze Wartezeiten legt, wird in der PKV eher fündig als in der GKV.
💡 Wichtig für Gründer
In der Gründungsphase mit unsicherem Einkommen kann die GKV mit ihrem einkommensabhängigen Beitrag die sicherere Wahl sein. Ein späterer Wechsel in die PKV ist jederzeit möglich, umgekehrt jedoch nicht.
Wann ist die GKV die bessere Wahl?
Die GKV kann für Selbstständige in mehreren Situationen vorteilhafter sein. Bei schwankendem oder unsicherem Einkommen bietet die GKV mehr Flexibilität. Die Beiträge passen sich dem Einkommen an, und bei geringem Verdienst ist der Mindestbeitrag oft günstiger als jeder PKV-Tarif.
Für Familien mit Kindern ist die kostenlose Familienversicherung der GKV ein großer Vorteil. In der PKV muss jedes Familienmitglied einzeln versichert werden. Eine Familie mit Partner und zwei Kindern kann in der PKV schnell 1.200 Euro oder mehr monatlich zahlen, während in der GKV nur der Hauptverdiener Beiträge zahlt.
Selbstständige mit Vorerkrankungen können in der PKV Schwierigkeiten bekommen. Risikozuschläge, Leistungsausschlüsse oder sogar Ablehnungen sind möglich. Die GKV nimmt dagegen jeden auf, unabhängig vom Gesundheitszustand. Der Basistarif der PKV bietet hier nur eine eingeschränkte Alternative.
Wer sich eine Rückkehr in ein Angestelltenverhältnis offenhalten möchte, sollte ebenfalls über die GKV nachdenken. Der Wechsel von der PKV zurück in die GKV ist für Selbstständige nur durch Aufgabe der Selbstständigkeit und Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung möglich – und ab 55 Jahren praktisch ausgeschlossen.
Das Krankentagegeld für Selbstständige
Ein besonders wichtiger Aspekt für Selbstständige ist die Absicherung bei Krankheit. Während Angestellte bei Krankheit Lohnfortzahlung und später Krankengeld erhalten, haben Selbstständige keinen Einkommensersatz. Eine längere Krankheit kann schnell existenzbedrohend werden.
In der GKV können Selbstständige freiwillig Krankengeld wählen, indem sie den allgemeinen statt des ermäßigten Beitragssatzes zahlen. Das Krankengeld beträgt dann 70% des Einkommens, maximal jedoch etwa 120 Euro täglich. Es wird ab dem 43. Krankheitstag gezahlt, kann aber durch Wahltarife auch früher beginnen.
In der PKV gibt es das Krankentagegeld als separate Versicherung. Die Höhe ist frei wählbar und sollte dem tatsächlichen Einkommensausfall entsprechen. Der Beginn der Zahlung kann flexibel vereinbart werden, üblich sind Karenzzeiten von 14, 21 oder 42 Tagen. Je kürzer die Karenzzeit, desto höher der Beitrag.
Selbstständige sollten das Krankentagegeld nicht unterschätzen. Die Kosten für eine gute Absicherung können bei 100 bis 200 Euro monatlich liegen, sind aber im Ernstfall jeden Cent wert. Ein Krankentagegeld von 100 Euro täglich ab dem 22. Tag ist eine sinnvolle Grundabsicherung für viele Selbstständige.
Steuerliche Aspekte der PKV
Die Beiträge zur Krankenversicherung sind für Selbstständige steuerlich absetzbar. Dies gilt sowohl für GKV- als auch für PKV-Beiträge. Die Basisabsicherung (vergleichbar mit dem GKV-Niveau) ist in voller Höhe als Sonderausgabe abziehbar. Zusatzleistungen wie Chefarztbehandlung oder Einzelzimmer können nur begrenzt geltend gemacht werden.
Bei hohem Einkommen und entsprechend hohem Steuersatz kann die Steuerersparnis erheblich sein. Ein Selbstständiger mit einem Grenzsteuersatz von 42% spart bei PKV-Beiträgen von 500 Euro monatlich rund 2.500 Euro jährlich an Steuern. Dies relativiert die auf den ersten Blick hohen PKV-Beiträge etwas.
Beitragsentwicklung und Altersvorsorge
Ein häufiges Bedenken bei der PKV sind die Beiträge im Alter. Da Selbstständige oft keine klassische Rentenversicherung haben, ist die finanzielle Situation im Ruhestand schwerer planbar. Die PKV-Beiträge bleiben jedoch konstant oder steigen, während das Einkommen im Alter oft sinkt.
Selbstständige sollten daher bei der PKV-Entscheidung auch die Altersvorsorge im Blick haben. Eine ausreichende private Vorsorge ist wichtig, um die PKV-Beiträge auch im Ruhestand stemmen zu können. Beitragsentlastungstarife können zusätzlich helfen, die Belastung im Alter zu reduzieren.
Die PKV bildet zwar Altersrückstellungen, die Beitragsanpassungen abfedern sollen. Diese reichen aber nicht immer aus, um Kostensteigerungen im Gesundheitswesen vollständig auszugleichen. Eine realistische Finanzplanung sollte daher von moderat steigenden PKV-Beiträgen ausgehen.
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Jetzt vergleichenTipps für die Tarifwahl
Bei der Wahl des PKV-Tarifs sollten Selbstständige auf mehrere Punkte achten. Eine angemessene Selbstbeteiligung kann die Beiträge deutlich senken. Üblich sind 300 bis 1.200 Euro jährlich. Wer selten zum Arzt geht, spart mit hoher Selbstbeteiligung bares Geld.
Das Krankentagegeld sollte in ausreichender Höhe abgeschlossen werden. Die Karenzzeit kann je nach finanzieller Reserve gewählt werden. Wer genügend Rücklagen hat, kann eine längere Karenzzeit wählen und spart Beiträge.
Die Beitragsstabilität des Versicherers ist für Selbstständige besonders wichtig. Da sie die gesamten Beiträge selbst tragen, wirken sich Erhöhungen direkt aus. Ein Blick auf die Beitragsentwicklung der vergangenen Jahre kann Aufschluss geben.
Fazit: Individuelle Entscheidung erforderlich
Für Selbstständige ist die Entscheidung zwischen PKV und GKV besonders komplex. Anders als bei Beamten, für die die PKV fast immer die beste Wahl ist, hängt die Entscheidung für Selbstständige von vielen individuellen Faktoren ab: Alter, Gesundheit, Einkommen, Familienplanung und persönliche Präferenzen spielen eine Rolle.
Junge, gesunde Selbstständige mit stabilem Einkommen und ohne Familienplanung profitieren oft von der PKV. Gründer mit unsicherem Einkommen, Familien und Menschen mit Vorerkrankungen fahren häufig mit der GKV besser. Eine sorgfältige Analyse der eigenen Situation ist daher unerlässlich.