PKV verstehenRatgeber
PKV-Tests und Ratings: wie sie entstehen und was sie aussagen
PKV-Tests vergleichen Tarife für Modellkunden, Tarifratings bewerten Versicherungsbedingungen nach Punkten, Unternehmensratings schätzen Finanzkraft, Beitragsstabilität und Kundenorientierung eines Versicherers ein. Jede Methode misst etwas anderes, und keine kennt deine Gesundheit oder deinen späteren Beitrag. Ein Testergebnis ersetzt deshalb nicht den Blick in die Bedingungen und in die Beitragsentwicklung des konkreten Tarifs.

Wer "PKV Test" sucht, findet Testsiegel, Sterne und Buchstabennoten. Dahinter stehen sehr unterschiedliche Verfahren: Eine Verbraucherorganisation rechnet Tarife für Modellkunden durch, Analysehäuser vergeben Punkte für Klauseln in den Versicherungsbedingungen, Ratingagenturen bewerten das Unternehmen als Ganzes.
Drei Arten von Bewertungen
Bevor du eine Note liest, lohnt die Frage, was überhaupt bewertet wurde. Die bekanntesten Verfahren unterscheiden sich vor allem im Gegenstand.

| Art | Beispiel | Was bewertet wird | Grundlage |
|---|---|---|---|
| Tarifvergleich | Stiftung Warentest, Finanztest 3/2025 | Leistungen und Beiträge von Tarifkombinationen für Modellkunden [1] | Tarifbedingungen und Beiträge für Modellkunden [1] |
| Tarifrating | Franke und Bornberg, Rating PKV | Tarife nach Untersuchungsbereichen und Detailkriterien [4] | Produkt- und Unternehmensbewertungen sowie Stabilitätsindikatoren aus map-reports [4] |
| Bilanzrating | map-report, Bilanzrating PKV | Bilanzkennzahlen von Versicherern [5] | Fünfjahresdurchschnitte aus Geschäftsjahren [5] |
| Unternehmensrating | Assekurata | Sicherheit, Erfolg, Kundenorientierung, Wachstum, Beitragsstabilität [6] | interne Unternehmensdaten, Managementinterview, Kundenbefragung [6] |
Ein Tarifvergleich sagt etwas über ein Produkt, ein Unternehmensrating etwas über den Anbieter. Ein Versicherer mit gutem Unternehmensrating kann Tarife anbieten, die in einem Tarifvergleich schwach abschneiden, und umgekehrt.
Wie Stiftung Warentest PKV-Tarife prüft
Die Stiftung Warentest wurde 1964 vom Deutschen Bundestag gegründet und ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts [2]. Sie gibt an, ohne Einfluss von Herstellern, Anbietern und Anzeigenkunden zu testen [2]. Nach eigenen Angaben finanziert sie sich zum größten Teil aus dem Verkauf ihrer Veröffentlichungen, bekommt seit 2024 keine staatliche Zuwendung mehr und darf laut Satzung keine Einnahmen aus Werbeanzeigen erzielen [2].
Ihren jüngsten Vergleich privater Krankenversicherungen veröffentlichte sie im Februar 2025 in Finanztest 3/2025 [1]. Untersucht wurden 1.245 Tarifkombinationen von 35 Gesellschaften [1]. Bewertet wurden davon 384 Kombinationen, die einen Rundumschutz mit höchstens 660 Euro Selbstbehalt im Jahr bieten [1]. Tarife ohne Alterungsrückstellung und Tarife nur für bestimmte Berufsgruppen blieben außen vor [1]. Jedes Angebot musste in allen Bereichen mindestens das Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung erreichen, in einigen Bereichen deutlich mehr [1].
Gerechnet wurde mit Modellkunden: gesunde Angestellte und Selbstständige mit Eintrittsalter 35 und einem Krankentagegeld von 150 Euro ab dem 43. Tag sowie ledige Bundesbeamte mit Eintrittsalter 30 und 50 Prozent Beihilfe [1]. Das Qualitätsurteil setzt sich aus Gruppenurteilen für ambulante, stationäre und Zahnleistungen sowie weitere Tarifmerkmale zusammen. Die Punkte für einzelne Leistungen richten sich nach den tatsächlichen Ausgaben der Versicherer laut Zahlenportal des PKV-Verbands [1]. Welche Tarifbedingungen der Test erfasst, nennt die Methodenseite im Artikeltext nicht. In einer Antwort auf einen Leserkommentar gibt die Stiftung den 01.01.2025 als Stand der getesteten Bedingungen an [1]. Spätere Tarifänderungen sind nicht erfasst.
Auch die Darstellung der Beiträge folgt festen Annahmen. Für Angestellte und Selbstständige zeigt der Test den teuersten Fall, also den Beitrag einschließlich des vollen Selbstbehalts, umgelegt auf die Monate. Die Pflegepflichtversicherung ist enthalten. Bei Angestellten trägt der Arbeitgeber nach den Annahmen des Tests die Hälfte, Selbstständige zahlen den vollen Beitrag [1]. Veröffentlicht wurden die 384 bewerteten Tarife von 22 Versicherern, alle mit dem Urteil gut oder sehr gut [1]. Zusätzlich prüfte die Stiftung, ob die Versicherer bei ihrer Kapitalanlage bestimmte Länder und Unternehmen ausschließen. Dafür nutzte sie nur Geschäftsberichte und nichtfinanzielle Erklärungen [1].
Tarifratings nach Punkten
Analysehäuser wie Franke und Bornberg bewerten Tarife anhand eines festen Kriterienkatalogs. Für das Rating PKV 2025, veröffentlicht am 23.10.2025, nennt das Unternehmen 897 Tarife, 18 Untersuchungsbereiche und 108 Detailkriterien [4]. Die Bestnote FFF+ gibt es, wenn ein Tarif mindestens 85 Prozent von höchstens 20.225 Punkten erreicht und zusätzlich Mindeststandards erfüllt, etwa die freie Arztwahl und einen offenen Hilfsmittelkatalog [4]. Nach Angaben des Unternehmens erreichten 2025 acht Prozent aller Tarife diese Note [4]. Erstmals flossen 2025 Daten aus den map-reports zur Krankenversicherung als Stabilitätsindikatoren ein [4].
Die vollständige Bewertungsrichtlinie veröffentlicht Franke und Bornberg nach eigenen Angaben auf seiner Website [4]. Die Pressemitteilung nennt den Beitrag nicht als Bewertungskriterium [4]. Ein Tarif mit Bestnote kann also teuer sein. Für die eigene Entscheidung sind die Kriterien oft aufschlussreicher als die Note: Ein offener Hilfsmittelkatalog oder die Erstattung über den Höchstsätzen der Gebührenordnung kann für dich wichtig sein oder nicht.
Unternehmens- und Bilanzratings
Unternehmensratings bewerten den Versicherer. Die Kölner Agentur Assekurata beschreibt ihr Unternehmensrating als Kombination aus einer Einschätzung der Kundenorientierung und der Finanzstärke, aus Sicht der Versicherungsnehmer [6]. Bewertet werden Sicherheit, Erfolg, Kundenorientierung sowie Wachstum und Attraktivität im Markt, bei Krankenversicherern zusätzlich die Beitragsstabilität [6]. Grundlage sind laut Assekurata interne Informationen des Unternehmens, ein Managementinterview und eine Kundenbefragung [6]. Das Unternehmen liefert also selbst Daten zu. Ein Bonitätsrating der Agentur bewertet dagegen, ob ein Versicherer seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gläubigern vertragsgemäß erfüllen kann [7]. Daneben veröffentlicht Assekurata Tarifanalysen für einzelne Krankenversicherungstarife. Sie nennen eine Gesamtwertung und Teilergebnisse zu Kalkulationsgrundlagen, Grundleistungen und Zusatzleistungen [12].

Bilanzratings arbeiten mit veröffentlichten Kennzahlen. Der map-report 945 von Franke und Bornberg zum Bilanzrating 2025, veröffentlicht am 15.09.2026, bewertet 30 Versicherer anhand von zwölf Bilanzkennzahlen mit höchstens 300 Punkten [5]. Dazu gehören unter anderem Nettorendite, Abschlusskostenquote und das Wachstum der Voll- und Zusatzversicherten. Grundlage sind Fünfjahresdurchschnitte der Jahre 2021 bis 2025 [5]. Die Skala reicht von mmm+ ab 85 Prozent der Punkte bis m- unter 55 Prozent [5]. Weil die Methode gegenüber dem Vorjahr überarbeitet wurde, sind die Ergebnisse laut Herausgeber nicht eins zu eins mit früheren vergleichbar [5].
Breiter angelegt ist das map-report PKV-Rating 2025, veröffentlicht am 04.12.2025 [13]. Es kombiniert zwölf Bilanzkennzahlen, fünf Servicequoten sowie Analysen zu Gesundheitsmanagement, Transparenz und Beitragsentwicklung [13]. Elf Gesellschaften mit rund 42 Prozent Marktanteil lieferten dafür eigene Daten, für 19 weitere Unternehmen griff der Herausgeber auf öffentlich zugängliche Quellen zurück [13]. Wer an einer Datenlieferung teilnimmt, kann also anders erfasst sein als ein Unternehmen, das nur aus Geschäftsberichten bewertet wird. Nach derselben Veröffentlichung stiegen bei den elf Teilnehmern, die alle Daten lieferten, die Beiträge in der Beispielrechnung für Angestellte zum Jahresbeginn 2025 um durchschnittlich 10,6 Prozent, bei einer Spanne von keiner Erhöhung bis zu 20 Prozent je nach Versicherer [13].
Was Bewertungen nicht zeigen
Kein Test und kein Rating kennt deinen Gesundheitszustand. Ob du einen Risikozuschlag zahlst, einen Leistungsausschluss bekommst oder abgelehnt wirst, entscheidet erst die Gesundheitsprüfung beim Versicherer. Mehr dazu unter Risikozuschlag und Leistungsausschluss.
Auch die künftigen Beiträge bleiben offen. Für 2026 betrafen Beitragsanpassungen in der Krankheitskostenvollversicherung laut BaFin rund 81 Prozent der Versicherten in mindestens einem Haupttarif, im Schnitt um 12,6 Prozent [9]. Um die Erhöhungen zu begrenzen, setzten die Versicherer laut BaFin insgesamt etwa 2,3 Milliarden Euro aus den Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen ein [9]. Ein heute günstiger Tarif kann also in einigen Jahren deutlich mehr kosten. Ratings zur Beitragsstabilität blicken auf die Vergangenheit. Wie Beitragsanpassungen entstehen, steht unter Beitragserhöhung in der PKV.
Die Verbraucherzentralen halten den Preis- und Leistungsvergleich in kaum einem anderen Versicherungsbereich für so schwierig wie in der PKV [11]. Sie warnen vor Lockvogeltarifen, die vor allem jungen Menschen angeboten werden und in denen viele Leistungen gekürzt sind [11]. Der Test der Stiftung Warentest hat nur Tarife bewertet, die in allen Bereichen mindestens das Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung erreichen [1]. Andere Verfahren setzen andere Schwellen.
Wer mit einem Testergebnis wirbt, braucht bei der Stiftung Warentest einen Logo-Lizenzvertrag, den die gemeinnützige RAL gGmbH abwickelt. Die Werbung mit dem Testlogo ist nur befristet möglich [3]. Ein Siegel in einer Anzeige sagt also, dass ein bestimmter Tarif in einem bestimmten Test gut abgeschnitten hat, und nichts über andere Tarife desselben Versicherers.
So nutzt du Tests und Ratings
Tests und Ratings können helfen, eine erste Auswahl zu treffen. Unser Vorschlag für die Reihenfolge:

- Datum und Stichtag prüfen. Ein Test erfasst keine Tarifänderungen nach der Erhebung.
- Modellkunde mit der eigenen Lage vergleichen: Alter, Beruf, Beihilfe, Selbstbehalt, Krankentagegeld.
- Die Kriterien lesen statt nur die Note. Welche Leistungen waren Pflicht, welche brachten Zusatzpunkte?
- Die Beitragsentwicklung anfordern. Vor Vertragsschluss muss der Versicherer zeigen, welchen Monatsbeitrag eine Person mit Eintrittsalter 35 in den vergangenen zehn Jahren in diesem Tarif gezahlt hätte [8].
- Die Versicherungsbedingungen selbst lesen, vor allem zu Ausschlüssen. Die BaFin rät, Policen sorgfältig zu vergleichen, den Leistungsumfang zu prüfen und zu klären, welche Krankheiten ausgeschlossen sind [10].
Welche Kriterien beim Tarifvergleich zählen, beschreibt PKV-Tarife vergleichen: die Kriterien. Eine neutrale Liste der Unternehmen steht unter Private Krankenversicherer im Überblick. Was bei Vergleichsportalen und Vermittlern allgemein zu beachten ist, erklärt Versicherungen vergleichen: worauf es ankommt.
- Organisation Private Krankenversicherung im Vergleich: So haben wir getestet. Stiftung Warentest. Stand 19.02.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Die Stiftung: Fakten, Struktur, Hintergrund. Stiftung Warentest. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Logo-Lizenzvertrag: Werben mit dem Testlogo. Stiftung Warentest. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Rating PKV 2025: Digitale Angebote und neue Tarife sorgen für Bewegung. Franke und Bornberg. Stand 23.10.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation map-report 945: Bilanzrating Private Krankenversicherung 2025. Franke und Bornberg. Stand 15.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Assekurata-Unternehmensrating. Assekurata Rating-Agentur GmbH. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Bonitätsratings. Assekurata Rating-Agentur GmbH. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz § 3 VVG-InfoV: Informationspflichten bei der Krankenversicherung. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds (Jahresbericht 2025). Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Private Kranken- und Pflegepflichtversicherung. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Private Krankenversicherung: Nicht für jeden sinnvoll. Verbraucherzentrale Bundesverband. Stand 17.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Tarifanalysen. Assekurata Assekuranz Rating-Agentur. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation map-report PKV-Rating 2025: Pressemitteilung zum 25. PKV-Rating. Franke und Bornberg. Stand 04.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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